Mittwoch, 31. Januar 2018

Dumm ist, wer dummes tut, Sir

Klar. An Tagen mache ich schlechte Arbeit. Aber wieso auch nicht? Ich kann nicht jeden Tag mein Bestes geben. Und jeder, der einigermaßen ehrlich zu sich ist, wird sich genau das gleiche eingestehen.

Nachdem auf der Arbeit wieder großes Chaos herrschte, es gab einige sehr übellaunige Besucher, hatten wir ein paar unbeobachtete Momente, in denen wir darüber sprechen konnten - natürlich nur M. und ich, am Ende auch B. (K. hatte heute Uni und war daher heute nicht dabei). M. berichtete von ihrer vorigen Arbeitsstelle und wie man einen Tag wie heute dort organisiert hatte. Alles lief dort geordnet ab, es gab damals keinen einzigen übellaunigen Besucher. Sie nahm mich in Schutz, wegen dem, was vorige Woche wegen mir passiert war, und das rechne ich ihr noch immer hoch an, M. ist eine sehr liebe Person. Ich wünsche ihr für immer nur das Beste! M.s Worte waren heilsam, sie zeigten mir, dass ich zwar an der letztwöchigen Misere großen Anteil hatte, dass das alles aber nie passiert wäre, wenn alle Vorgänge vorher besser (sie nannte dafür ein paar Vorschläge) abgelaufen wären. Danke, M., ich fühle mich heute viel klüger als all die Tage davor, an denen ich den bösen impliziten, aber doch deutlichen Worten des Chefs Glauben geschenkt hatte: Ich bin zu dumm, um nach dem Studium überhaupt irgendwo einen anständigen Job zu haben und wenn ich es doch mal schaffen sollte, wäre ich für alle nur eine Bürde.

Nicht, dass ich es mir nicht schon selbst vorher einige hundert Male gesagt hätte, aber manchmal ist eben auch der Chef die Bürde (das interpretierte ich aus M.s kritischen Worten, die ich für berechtigt halte). Für mich zumindest (auch die unbekannten Helferinnen unten bei den Präsenttüten würden es zumindest für diesen Tag bestätigen).

Dienstag, 30. Januar 2018

Gestern mit Schnaps, heute ohne

Gestern vor der Arbeit füllte ich mir etwas von unserem selbst angesetzten Granatapfeil-Feige-Schnaps in eine leere 0,5-Liter-Flasche. Es schimmerte in einem schönen Rosaton. Ein hübsches Getränk. Auf der Arbeit lud mich mein Chef über den Kalender zu einem Meeting mit dem Titel "Weitere Zusammenarbeit" ein. Ich werde gekündigt, das war mir klar, ein sehr diplomatischer Titel dafür. YES! Dann brauche ich es selbst nicht mehr zu tun. Alle Hoffnung darauf zerschlug sich, er wollte diesen Termin mit dem böse Assoziationen hervorrufenden Titel nur nutzen, um sich selbst als hart arbeitender Mensch, der sich aus dem Moloch hochgearbeitet hat, nutzen. Und dabei noch ein wenig implizieren, welch ein doofer Mensch ich doch bin ("Wollen Sie später mal einen Beruf, wo Sie nachdenken müssen oder wollen Sie ungelernte Tätigkeiten verrichten? Strengen Sie sich mal mehr an!"). Tut mir Leid, Entschuldigung, kommt nicht wieder vor. Meine Entschuldigungen waren nicht ausreichend, irgendetwas passte ihm daran nicht, ich musste es ein paar Mal sagen, aber das reichte wohl auch nicht, stattdessen der Vorwurf: "Sie zeigen nicht einmal Reue". Mir kamen die Tränen, und meine Abscheu war mittlerweile so groß, dass ich sie laufen ließ und mich dazu verpflichtet fühlte, Wahrheiten auszuplaudern, die im Grunde niemanden etwas angehen. Er sah mich nicht mehr an, er fürchtete sich jetzt vor mir. Meine Stimme zitterte noch immer, als ich aufgehört hatte zu weinen. Immerhin hatte er nun den Beweis für meine Reue.

Ich ging zurück in mein Büro, und als die Kollegin kurz um die Ecke war, gönnte ich mir einen großen Schluck Granatapfel-Feige, es schmeckte gut, war aber stärker als erwartet, und ich hatte gefühlt einen Doppelten intus. Der machte sich ein bisschen bemerkbar, ich hatte nicht viel gefrühstückt, aber es wird wohl niemand etwas gemerkt haben. Ein bisschen asozial fühlte ich mich schon damit, und dann noch ein bisschen Angst, irgendwann Alkoholikerin zu werden. Naja, an diesem Morgen machte er mich ein kleines bisschen lebendiger und ich stand den Tag durch. Wieder einer dieser Sätze, die mir Angst machen: Das klingt nun wirklich nach einer Sucht.

Freitag, 26. Januar 2018

Fehler auf der Arbeit

Ich habe einen Fehler gemacht. Auf der Arbeit. Genau genommen habe ich schon viele Fehler gemacht, jedenfalls wurden sie als solche verortet, und ich wurde dafür gerügt. Aber diesmal habe ich etwas falsch gemacht, was wirklich tatsächlich als Fehler anzusehen ist. Ich habe einer Menge Leuten Mehrarbeit beschert und noch mehr Leuten eine Enttäuschung bereitet. Ich schäme mich dessen zutiefst, in mir kommt eine Abneigung gegen mich auf, gegen die Arbeit, gegen das Leben, was soll ich nur tun?

Ich habe diesen Fehler gemacht, und es tut mir Leid. Ich habe mich entschuldigt, aber es wurde nicht gehört. Ich würde mich gern erklären. Ich habe zu einer Erklärung angesetzt. Mir wurde nicht zugestanden, eine Erklärung abgeben zu können. Ich würde es gern wieder gutmachen, oder zumindest bei der Wiedergutmachung helfen, aber es wurde mir verwehrt. Nein, nein, ich soll nicht vorbeikommen. "Sie kommen doch immer Freitags", sagt der Chef, "Nein", sage ich, "ich komme immer dann und dann. Aber ich kann gern diesen Freitag kommen und Schadensbegrenzung machen". "Nein. Wir müssen überlegen, wie wir den Schaden begrenzen können". Ohne mich, ich bin Schuld, andere baden es aus, darf ich nicht mein Gewissen ein bisschen rein waschen und auch helfen? Nein, ich darf nicht. Ich darf nur für den Rest der Zeit den Zorn meines Vorgesetzten ertragen. Mal schauen, wie lang diese Zeit noch ist, bevor ich aufgebe und kündige.

Donnerstag, 25. Januar 2018

Eine ganz normale junge Frau. Ein Spiegelbild

Ich habe einen Kopf, darauf wächst dunkelblondes Haar. Es ist schön, ich föhne es nie, deswegen ist es gesund und es glänzt. Es fällt in langen Wellen über meine Schultern, einfach so. Selbst, wenn ich wollte, würde ich mir die Haare nie so machen können: Sie fallen einfach so. Mein Kopf hat auch ein Gesicht. Derzeit sind zwei dicke gerötete Augen darin; das ist nicht immer so, manchmal bin ich fröhlich und denke gar nicht so viel darüber nach, wie traurig man sein kann. Ich habe die Nase meiner Mutter, ein bisschen klumpig, man kann unsere Verwandtschaft nicht übersehen. Meine Lippen sind ziemlich normal, manchmal biegen sie sich nach oben, manchmal nach unten, die meiste Zeit sorgen sie aber wohl für den Ausdruck, der heute Resting Bitch Face genannt wird.

An meinen Kopf schließt sich ein Hals an, darunter zwei Schultern, ein normaler Körper. Ein Bauchnabel, den ich nicht so gut leiden kann, denn ich kann es absolut nicht leiden, wenn jemand aus Spaß seinen Finger hineinstecken möchte. Weiter unten kommt dann die klassische Birne: meine Schenkel sind, genau wie meine Oberarme, irgendwie kugelig, mein Popo auch, die Waden kräftig und dann sind da die Füße: Ich habe mich an sie gewöhnt, aber meinen rechten großen Zeh, den mag ich vielleicht am wenigsten an mir. Weil mal ein Teil vom Zehennagel abgenommen wurde und das alles nicht ganz koscher ablief, wachsen da stellenweise zwei Zehennägel übereinander. So ekelig, wie es sich liest, ist es aber dann in Wahrheit doch nicht.

Ich bin also ein Mensch wie jeder andere, man könnte mich glatt mit allen anderen verwechseln. Ich habe Probleme mit dem Selbstwertgefühl, ich habe Phasen, in denen mich das richtig traurig macht und ich nur allein sein möchte, obwohl ich weiß, dass das gerade dann gar nicht gut ist. Ein paar Jahre hatte ich Sozialphobie und ein paar Monate danach dachte ich, das hätte ich hinter mir. Ich sehe nun, dass ich sowas nicht so einfach hinter mir lassen kann, vielleicht wird es nie ganz weg sein, und vermutlich muss ich damit leben.

Ich weiß, dass es vielen Menschen schlechter geht als mir, aber das, was ich täglich sehe, sind nur Leute, die nicht mit diesen Problemen leben müssen. Männer wie Frauen. Vielleicht haben sie auch solche Probleme, vielleicht gestehen sie sich das nicht ein, vielleicht sie reden nicht darüber - zumindest nicht mit mir. Was dazu führt, dass für mich immer über allem ein imaginäres Fragezeichen schwebt.