Montag, 16. April 2018

Professionelle Planung wird überbewertet

Die Führungsebene ordnet an jedem Tag, an dem ich zur Arbeit gehe, einen anderen Tag an, an dem ich wiederkommen soll. Wirklich ungelogen jedes Mal, an jedem Arbeitstag, keine Möglichkeit, etwas zu planen, denn die überlegen es sich stündlich anders. In den letzten vier Wochen gab es vier verschiedene Tageskombinationen, an denen ich kommen soll.

Nun trat der Super-GAU ein. Haha. Ich soll montags und dienstags kommen. Was ist daran der GAU? Na, zwei Tage direkt hintereinander, das ist eigentlich VER-BO-TEN!

Mir soll's recht sein - was man hat, das hat man, sagt meine Mutti immer.

Der Job stiehlt mir derweil weniger mein Selbstbewusstsein. Heute ist ein verrückter Tag - zum ersten Mal, seit ich angefangen habe, da zu arbeiten, fühle ich mich so selbstbewusst wie am letzten Tag, bevor ich dort angefangen habe. Ist das nicht ein Erfolg?

Ich frage mich nur, was bedingt diesen Erfolg? Abgestumpftheit? Is'-mir-egal-Haltung? Die Tatsache, dass ich im Moment viel allein bin und ganz in Ruhe verarbeiten kann?

Es ist komisch, aber ich habe derzeit noch immer das Gefühl, ich kann was, ich bin keine Last, ich kann mit Menschen (Hallo Sozialphobie!), nehmt mich, wenn ihr wollt, und wenn nicht, dann halt nicht!

Es fühlt sich ganz schön an!

Ich hoffe, es bleibt so für eine Weile!

Mittwoch, 14. März 2018

Auf Wiedersehen, B., ich freu mich für dich

B. hat den Schritt gewagt und ihre Stelle gekündigt! Ich freue mich für sie, denn sie kann wegen der Probezeit zum 31.03. aufhören und muss diesen schrecklichen Ort dann nicht mehr betreten. Ich bewundere ihren Mut! Schade ist es, denn sie war eine sehr geschätzte Kollegin, und in den 1,5 Monaten, die sie es auf dieser Arbeit ausgehalten hat, habe ich von ihr mehr gelernt als von allen anderen dort.

Kurios allerdings: "Frau B. hat gekündigt. Damit macht sie das, was wir eh machen wollten" und das Kündigungsschreiben hatte der Chef eh schon fertig gehabt. Wieso finde ich das kurios, wo es doch eigentlich nur gut in den Zusammenhang passt, dass er sowas sagt. Wenn er es so dreht, steht er schließlich selbst besser da, nicht sie kündigt, weil der Job scheiße ist, sondern er kündigt ihr, weil ihre Arbeit scheiße ist. Wann, um alles in der Welt, fängt der mal an, sich selbst zu hinterfragen?

Sehr, sehr traurig in diesem Zusammenhang stimmt mich: Die Stelle von B. ist seit heute wieder ausgeschrieben. Als VOLONTARIAT.

1. Was will Chef? Eine billige Arbeitskraft. Okay. Aber was erwartet er von dem/der Volontär/in? Dass er oder sie die Presseabteilung allein schmeißt?

2. Es ist ein Volontariat. Da LERNT man, wie man eine Presseabteilung schmeißt. Doch wer in diesem Büro kann das? Es kann dort doch niemand diese Art Arbeit, gibt ja niemanden mehr in dieser Abteilung.

3. Niemand bringt der Person bei, wie sie die Presseabteilung zu schmeißen hat und sie soll es trotzdem allein tun. Klingt das nur für mich unlogisch?

4. Ich stelle mir für einen kurzen Moment vor, ich als Absolventin hätte mich auf die Stelle beworben, klingt ja auch ziemlich cool, und hätte sie dann bekommen. Das nächste, was ich sehe, ist, dass ich jeden Abend weinend nach Hause komme, aber denke: Beiß' die Zähne zusammen, zwei Jahre Volo, dann suchst du dir was anderes. Ich würde sterben, wenn ich diese Stelle bekäme - innerlich zumindest. Ich würde die Stelle annehmen in der Erwartung, dort etwas zu lernen, aber ich würde dort nichts lernen und ich würde denken, ich bin zu doof für alles, ich würde mich wieder hassen. Urgh, das reicht dann auch mit dieser albtraumhaften Vorstellung, ich ertrage sie nicht länger.

Zum Ende was Positives: Ich weiß immerhin, dass ich DIESE Stelle ich nicht will. Und meine Erfahrung schützt mich davor, es überhaupt dort zu versuchen. Das ist vermutlich der einzige Tag meines Lebens, an dem ich dafür dankbar bin, dort zu arbeiten. Yay!

P.S.: Wie schlecht kann eine Führungskraft sein?

Dienstag, 13. Februar 2018

Ein unerwarteter Push meines Selbstwertgefühls

Ich habe vor etwa einem Monat eine Bewerbung rausgeschickt, einfach so, ich fand die Stelle gut. Aber ich schreibe ja noch an der Masterarbeit, und das vermutlich auch noch ein paar weitere Monate, also wollte ich die Stelle gar nicht so unbedingt. Nur mal schauen, was passiert würde.

Gestern bekam ich dann eine Einladung zum Vorstellungsgespräch.

Ich jubelte. Mit einem Schlag wusste ich: mein Lebenslauf ist doch gar nicht so doof, ich kann damit was anfangen. Yes!

Egal, was aus diesem Vorstellungsgespräch wird. Allein diese Einladung pusht mein Selbstbewusstsein so sehr, dass ich mich plötzlich viel größer fühle. Sie nimmt mir viele Ängste: Die vor der Zukunft (ein bisschen), Angst vor dem finanziellen Ruin (meine BAFöG-Schulden werden dann doch nicht so exorbitant hoch sein), Angst davor, dass ich einfach ein riesengroßer Loser bin.

Ich bin nicht glücklich darüber, dass ich das für mein Selbstwertgefühl brauche. Aber halleluja! Besser so als gar nicht! 

Mittwoch, 7. Februar 2018

Er verwirrt mich

Ein Tag wie heute - eigentlich ein recht gewöhnlicher Tag, nicht besonders traurig, nicht besonders fröhlich. Auf der Arbeit sollte ich ein paar Sachen versandfertig machen, und ein einzelner Brief fehlte, was komisch war, denn er war Teil des Serienbriefs. Hallo Chef, da fehlt einer, können Sie den nochmal drucken?

Dann wollte er, dass ich alle Briefe nochmal auspacke, denn das kann ja nicht sein, ich müsse den verschlampt haben, der kommt ja aus einem Serienbrief, kann ja nicht sein, dass da einer mittendrin fehlt. Kein großes Aufheben drum, aber der vermisste Zettel war der Brief, den der Chef probegepackt hat, und den hat er dann UNTER die LEEREN Briefumschläge zurückgelegt.

Okay, ich schäme mich zutiefst dafür, dass ich nicht hellsehen kann. Natürlich legt man sowas GENAU DA ab. Wenn ich SO weitermache, wird mich nie jemand einstellen!

Montag, 5. Februar 2018

Montag, einfach so

Die Befürchtung von gestern über heute war wieder übel, aber so übel war es dann heute gar nicht, denn der Übeltäter hatte ein paar Termine, war nicht da und konnte nur milde kränken. Stattdessen Zeit für einen kurzen Austausch mit M., denn M. hatte ein Feedbackgespräch am Freitag. Sie bekam da das Feedback, dass sie nicht genug arbeiten würde. Sie erfüllt die Stunden, die in ihrem Vertrag stehen. Aber das sei wohl nicht genug. Natürlich macht es M. nichts aus, mal länger zu bleiben, aber wenn das regelmäßig vorkommt und sie auch keine Zeit hat, Überstunden abzufeiern, dann macht es ihr schon was aus. Und sie tut mir sehr Leid, denn sie hat keine Handhabe dagegen, und im Gegensatz zu mir kommt sie fünf Tage in der Woche zum malochen, das ist sehr viel im Gegensatz zu den zwei Tagen, in denen ich mich da runterputzen lasse. Ich kann ihr nicht anders helfen, als dass ich sie in ihrem Empfinden bestätige.

Grund zur Freude (okay, das ist vielleicht doch etwas zu makaber ausgedrückt, aber ABER!): Für eine mir unbekannte Kollegin, die derzeit in Elternzeit ist, wurde für eben diese Zeit ein Ersatz gesucht. Dieser ließ sich wohl nach weniger als einer Arbeitswoche wegen einer psychischen Krankheit beurlauben. Die Schuld daran wird nicht nur der Übeltäter allein haben, aber ich kann mir vorstellen, dass er der Auslöser war. Für den armen Menschen tut es mir Leid, ich hingegen pushe mein Selbstwertgefühl ein bisschen dadurch nach oben, dass es nicht an mir liegt.

(Wie oft muss ich mir das noch sagen, bis ich es vollends glaube? Vermutlich glaube ich es erst nach meiner Kündigung so richtig. Ich hoffe so sehr, dass ich sie bald vollziehen kann.)

Und: Die Sonne scheint heute. Herrlich! Der Himmel ist blau! Welch' eine Pracht!

Sonntag, 4. Februar 2018

Ich bewerfe mich den ganzen Sonntag über mit Tomaten

Tomaten sind lecker, aber man sollte sie nicht dazu benutzen, sich selbst zu sabotieren. Wegen dem morgigen Arbeitstag mache ich mich schon heute fertig, ich mag nicht dahin, ich mag dafür nicht mehr arbeiten, und wieso in aller Welt ruft die Frau aus meinem geplanten unprestigeträchtigen anderen Nebenjob mich nicht an?

Sie hatte es doch selbst gesagt: "Ich rufe dich am Wochenende an. Am Freitag kommt noch jemand anderes zum Probearbeiten vorbei. Wir entscheiden danach". Es würde mich gar nicht so sehr verletzen, wenn sie sich für die andere Person entscheiden würden, denn ich kann für mich selbst sagen: Ich bin mit meiner Leistung von während des Probearbeitens zufrieden, die Erfahrung war nett, ich kann doch noch etwas (wenn es auch nichts mit dem Job zu tun hat, den ich nach dem Studium vielleicht gern haben möchte). Aber hey, ich kann etwas!  Das hat auch die Frau von dort zu mir gesagt. Und das hat mir tatsächlich sowas wie eine Pfütze von Selbstvertrauen gegeben! Also wieso um alles in der Welt meldest du dich nicht?! Es ist wie damals, als man verrückt wurde, weil der Typ, auf den man stand, nicht zurückschrieb. Nur, dass es diesmal viel belangloser ist und dennoch, verdammt noch mal, ruf doch an! Ich vertrage die Wahrheit, aber alles ist besser, als zu warten und nicht zu wissen, was Sache ist!

Um zu den Tomaten zurückzukommen: Abscheu vor dem, was dort mit dem Personal gemacht wird und Abscheu vor dem Personal. Ich kann es niemandem verübeln, außer der einen auffälligen Person eben. Nur mir verüble ich, dass ich noch immer nicht gekündigt hab. Jetzt, nachdem der unprestigeträchtige Nebenjob vielleicht nur mehr ein Wunschtraum (das ist trotz allem ein Euphemismus) ist, traue ich mich wieder nicht, den Notausschalter zu betätigen, denn ich habe tierische Angst davor, irgendwann mit meinem Geld nicht mehr auszukommen.

Diese Angst führt wiederrum zu einer anderen: Ich mal mir manchmal aus, wie es ist, wenn ich ein noch viel schlimmeres Problem hätte, eins, was die Leute einem ansehen. Zumindest meine lieben Eltern würden sich sehr große Sorgen machen und mich an einen Ort bringen, an sich darum gekümmert wird. Ich wäre dann bei Null und es könnte nicht mehr schlimmer werden, vielleicht wäre ich dann so frei zu überlegen, was ich wirklich machen will? (Und ist dieser Gedankengang jetzt allzu weltfern?)

Mittwoch, 31. Januar 2018

Dumm ist, wer dummes tut, Sir

Klar. An Tagen mache ich schlechte Arbeit. Aber wieso auch nicht? Ich kann nicht jeden Tag mein Bestes geben. Und jeder, der einigermaßen ehrlich zu sich ist, wird sich genau das gleiche eingestehen.

Nachdem auf der Arbeit wieder großes Chaos herrschte, es gab einige sehr übellaunige Besucher, hatten wir ein paar unbeobachtete Momente, in denen wir darüber sprechen konnten - natürlich nur M. und ich, am Ende auch B. (K. hatte heute Uni und war daher heute nicht dabei). M. berichtete von ihrer vorigen Arbeitsstelle und wie man einen Tag wie heute dort organisiert hatte. Alles lief dort geordnet ab, es gab damals keinen einzigen übellaunigen Besucher. Sie nahm mich in Schutz, wegen dem, was vorige Woche wegen mir passiert war, und das rechne ich ihr noch immer hoch an, M. ist eine sehr liebe Person. Ich wünsche ihr für immer nur das Beste! M.s Worte waren heilsam, sie zeigten mir, dass ich zwar an der letztwöchigen Misere großen Anteil hatte, dass das alles aber nie passiert wäre, wenn alle Vorgänge vorher besser (sie nannte dafür ein paar Vorschläge) abgelaufen wären. Danke, M., ich fühle mich heute viel klüger als all die Tage davor, an denen ich den bösen impliziten, aber doch deutlichen Worten des Chefs Glauben geschenkt hatte: Ich bin zu dumm, um nach dem Studium überhaupt irgendwo einen anständigen Job zu haben und wenn ich es doch mal schaffen sollte, wäre ich für alle nur eine Bürde.

Nicht, dass ich es mir nicht schon selbst vorher einige hundert Male gesagt hätte, aber manchmal ist eben auch der Chef die Bürde (das interpretierte ich aus M.s kritischen Worten, die ich für berechtigt halte). Für mich zumindest (auch die unbekannten Helferinnen unten bei den Präsenttüten würden es zumindest für diesen Tag bestätigen).

Dienstag, 30. Januar 2018

Gestern mit Schnaps, heute ohne

Gestern vor der Arbeit füllte ich mir etwas von unserem selbst angesetzten Granatapfeil-Feige-Schnaps in eine leere 0,5-Liter-Flasche. Es schimmerte in einem schönen Rosaton. Ein hübsches Getränk. Auf der Arbeit lud mich mein Chef über den Kalender zu einem Meeting mit dem Titel "Weitere Zusammenarbeit" ein. Ich werde gekündigt, das war mir klar, ein sehr diplomatischer Titel dafür. YES! Dann brauche ich es selbst nicht mehr zu tun. Alle Hoffnung darauf zerschlug sich, er wollte diesen Termin mit dem böse Assoziationen hervorrufenden Titel nur nutzen, um sich selbst als hart arbeitender Mensch, der sich aus dem Moloch hochgearbeitet hat, nutzen. Und dabei noch ein wenig implizieren, welch ein doofer Mensch ich doch bin ("Wollen Sie später mal einen Beruf, wo Sie nachdenken müssen oder wollen Sie ungelernte Tätigkeiten verrichten? Strengen Sie sich mal mehr an!"). Tut mir Leid, Entschuldigung, kommt nicht wieder vor. Meine Entschuldigungen waren nicht ausreichend, irgendetwas passte ihm daran nicht, ich musste es ein paar Mal sagen, aber das reichte wohl auch nicht, stattdessen der Vorwurf: "Sie zeigen nicht einmal Reue". Mir kamen die Tränen, und meine Abscheu war mittlerweile so groß, dass ich sie laufen ließ und mich dazu verpflichtet fühlte, Wahrheiten auszuplaudern, die im Grunde niemanden etwas angehen. Er sah mich nicht mehr an, er fürchtete sich jetzt vor mir. Meine Stimme zitterte noch immer, als ich aufgehört hatte zu weinen. Immerhin hatte er nun den Beweis für meine Reue.

Ich ging zurück in mein Büro, und als die Kollegin kurz um die Ecke war, gönnte ich mir einen großen Schluck Granatapfel-Feige, es schmeckte gut, war aber stärker als erwartet, und ich hatte gefühlt einen Doppelten intus. Der machte sich ein bisschen bemerkbar, ich hatte nicht viel gefrühstückt, aber es wird wohl niemand etwas gemerkt haben. Ein bisschen asozial fühlte ich mich schon damit, und dann noch ein bisschen Angst, irgendwann Alkoholikerin zu werden. Naja, an diesem Morgen machte er mich ein kleines bisschen lebendiger und ich stand den Tag durch. Wieder einer dieser Sätze, die mir Angst machen: Das klingt nun wirklich nach einer Sucht.

Freitag, 26. Januar 2018

Fehler auf der Arbeit

Ich habe einen Fehler gemacht. Auf der Arbeit. Genau genommen habe ich schon viele Fehler gemacht, jedenfalls wurden sie als solche verortet, und ich wurde dafür gerügt. Aber diesmal habe ich etwas falsch gemacht, was wirklich tatsächlich als Fehler anzusehen ist. Ich habe einer Menge Leuten Mehrarbeit beschert und noch mehr Leuten eine Enttäuschung bereitet. Ich schäme mich dessen zutiefst, in mir kommt eine Abneigung gegen mich auf, gegen die Arbeit, gegen das Leben, was soll ich nur tun?

Ich habe diesen Fehler gemacht, und es tut mir Leid. Ich habe mich entschuldigt, aber es wurde nicht gehört. Ich würde mich gern erklären. Ich habe zu einer Erklärung angesetzt. Mir wurde nicht zugestanden, eine Erklärung abgeben zu können. Ich würde es gern wieder gutmachen, oder zumindest bei der Wiedergutmachung helfen, aber es wurde mir verwehrt. Nein, nein, ich soll nicht vorbeikommen. "Sie kommen doch immer Freitags", sagt der Chef, "Nein", sage ich, "ich komme immer dann und dann. Aber ich kann gern diesen Freitag kommen und Schadensbegrenzung machen". "Nein. Wir müssen überlegen, wie wir den Schaden begrenzen können". Ohne mich, ich bin Schuld, andere baden es aus, darf ich nicht mein Gewissen ein bisschen rein waschen und auch helfen? Nein, ich darf nicht. Ich darf nur für den Rest der Zeit den Zorn meines Vorgesetzten ertragen. Mal schauen, wie lang diese Zeit noch ist, bevor ich aufgebe und kündige.

Donnerstag, 25. Januar 2018

Eine ganz normale junge Frau. Ein Spiegelbild

Ich habe einen Kopf, darauf wächst dunkelblondes Haar. Es ist schön, ich föhne es nie, deswegen ist es gesund und es glänzt. Es fällt in langen Wellen über meine Schultern, einfach so. Selbst, wenn ich wollte, würde ich mir die Haare nie so machen können: Sie fallen einfach so. Mein Kopf hat auch ein Gesicht. Derzeit sind zwei dicke gerötete Augen darin; das ist nicht immer so, manchmal bin ich fröhlich und denke gar nicht so viel darüber nach, wie traurig man sein kann. Ich habe die Nase meiner Mutter, ein bisschen klumpig, man kann unsere Verwandtschaft nicht übersehen. Meine Lippen sind ziemlich normal, manchmal biegen sie sich nach oben, manchmal nach unten, die meiste Zeit sorgen sie aber wohl für den Ausdruck, der heute Resting Bitch Face genannt wird.

An meinen Kopf schließt sich ein Hals an, darunter zwei Schultern, ein normaler Körper. Ein Bauchnabel, den ich nicht so gut leiden kann, denn ich kann es absolut nicht leiden, wenn jemand aus Spaß seinen Finger hineinstecken möchte. Weiter unten kommt dann die klassische Birne: meine Schenkel sind, genau wie meine Oberarme, irgendwie kugelig, mein Popo auch, die Waden kräftig und dann sind da die Füße: Ich habe mich an sie gewöhnt, aber meinen rechten großen Zeh, den mag ich vielleicht am wenigsten an mir. Weil mal ein Teil vom Zehennagel abgenommen wurde und das alles nicht ganz koscher ablief, wachsen da stellenweise zwei Zehennägel übereinander. So ekelig, wie es sich liest, ist es aber dann in Wahrheit doch nicht.

Ich bin also ein Mensch wie jeder andere, man könnte mich glatt mit allen anderen verwechseln. Ich habe Probleme mit dem Selbstwertgefühl, ich habe Phasen, in denen mich das richtig traurig macht und ich nur allein sein möchte, obwohl ich weiß, dass das gerade dann gar nicht gut ist. Ein paar Jahre hatte ich Sozialphobie und ein paar Monate danach dachte ich, das hätte ich hinter mir. Ich sehe nun, dass ich sowas nicht so einfach hinter mir lassen kann, vielleicht wird es nie ganz weg sein, und vermutlich muss ich damit leben.

Ich weiß, dass es vielen Menschen schlechter geht als mir, aber das, was ich täglich sehe, sind nur Leute, die nicht mit diesen Problemen leben müssen. Männer wie Frauen. Vielleicht haben sie auch solche Probleme, vielleicht gestehen sie sich das nicht ein, vielleicht sie reden nicht darüber - zumindest nicht mit mir. Was dazu führt, dass für mich immer über allem ein imaginäres Fragezeichen schwebt.